Der stadtbekannte Lausebengel Luca und sein Kumpel David verlassen das Haus der betagten Frau Meier mit Keksen in beiden Händen. Auf die Frage von David, womit die beiden diese Leckereien wohl verdient haben, erklärt Luca: «Frau Meier gab uns diese Kekse nicht, weil wir so gut sind. Sie gab uns diese Kekse, weil sie so gut ist.»

Verblüffend, dass diese ältere Frau, die auch schon unter den Streichen der Knaben zu leiden hatte, trotzdem so grosszügig ist. Frau Meier ist nicht nur bereit, Luca und David ihre Dummheiten zu vergeben, sondern auch, die beiden zu beschenken. Sie sieht offenbar mehr in den Jungen als das, was man ihnen zurecht vorwerfen könnte. – «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.» (Antoine de Saint-Exupéry)

Gott sei Dank – und das meinen wir wortwörtlich – behandelt Gott uns ähnlich. Selbst wenn wir uns kaum um Gott und seinen Willen und oft auch wenig um andere Menschen kümmern: «Barmherzig und gnädig ist der Herr, gross ist seine Geduld und grenzenlos seine Liebe! Er beschuldigt uns nicht endlos und bleibt nicht für immer zornig. Er bestraft uns nicht, wie wir es verdienen; unsere Sünden und Verfehlungen zahlt er uns nicht heim.» (Psalm 103,8+9)

Das nennt sich Gnade. Gnade können wir nicht kaufen oder erarbeiten, auch nicht durch gute Taten. Gnade ist ein unverdientes Geschenk. Gnade heisst, dass Gott uns liebt und uns mit seinem Herzen ansieht. Gnade gibt es nicht, weil wir so gut sind, sondern weil Gott so gut ist.

Eine Geschichte, welche dies eindrücklich zeigt, finden Sie in Lukas 15,11-24.